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Thomas Huonker MONDFISCH

Aufzeichnungen

Entstehungszeit: 1990-1997

Widmung: Für Renata

Dank: Der Autor dankt der Stiftung Pro Helvetia für die Unterstützung



Inhalt:

Prolog

(auf dieser Seite weiter unten)

Kapitel I

Kapitel II

Kapitel III

Kapitel IV

Kapitel V

Kapitel VI

Kapitel VII

Kapitel VIII

Kapitel IX

Nachbemerkung




Prolog

Still steht der Satellit über dem Nordkap, auch über Gideon. Er schwebt still über der Erde, weil er sich mit ihr dreht. Er ist geostationär positioniert in fünfunddreissigtausend Kilometer Höhe. Seine beste Sendeleistung bringt er zwischen London und Wien. Zwölf Programme von Fernsehsendern, nochmals die gleiche Datenübermittlungsleistung für Telefon, Telefax und Videokonferenzen von Kontinent zu Kontinent.

Das metallische Weltrauminsekt mit seinen Solarzellenflügeln und Aluminiumantennen bringt viel Unruhe in die Welt.

Milliardensummen werden per Satellit transferiert, Hungertote gemeldet, Waffen gehandelt, Hilfsgüter bestellt. Er transponiert Symphonien, Liebesgeflüster, Todesanzeigen, Krimiserien, Seifenopern.

Wahr oder falsch, schön oder schlimm, ihm ist alles egal.

Er weiss von nichts.

Uplink, downlink. Uplink, downlink. Uplink, downlink.

Neun Millionen Dollar kostet die Miete der Uebermittlungskapazität für einen Fernsehsender pro Jahr.

Die Gebühren kassiert eine japanische Firma. Sie hat den Satelliten mit einem russischen Raketenbündel da oben plaziert. Seinen Platz neben Konkurrenzsatelliten, Wettersatelliten, Spionagesatelliten, Satellitentrümmern und anderm menschlichem Gerät im leeren Raum wies ihm die internationale Weltraumkommission zu.

Die Orbitpositionen werden immer enger. Etwa fünfzehnhundert Kilometer Sicherheitsabstand von Satellit zu Satellit wären wünschbar. Aber schon wird der Weltraum knapp.

Der Satellit hat zwei Solarzellenflügel. Er hat Rollachsendüsen und Steuerdüsen. Er hat eine Telemetrie- und eine Telekommandoantenne. Er hat eine Hornantenne, er hat eine östliche Spotbeamantenne und eine westliche Spotbeamantenne.

Er hat zwei Hemisphärenzonenantennenreflektoren.

Er hat zwei Hemisphärenzonenspeisehorngruppen.

Ein durchaus ausserirdisches Vergnügen, Gruppenhornspeisung.

Der Satellit hat zehn erdausleuchtende Hornstrahler.

Ueber dem Satelliten kreist der Mond.
Die Mondsichel ist ein erdausleuchtender Hornstrahler älterer Herstellung.
Der Mond wächst und nimmt ab. Er wird voll und leer.

Der Satellit wird nach einigen Jahren unbrauchbar. Meteoritenstaub legt sich über seine Solarzellen und verstopft seine Düsen und seine Hörner, sein Wirkungsgrad fällt unter die kritische Schwelle, seine Batterien bleiben leer. Der Satellit wird zu Weltraumabfall.

Es kreisen bereits etwa sechzigtausend Schrottteile um die Erde, die grösser sind als ein Kubikzentimenter, und zwar mit dreissigtausend Stundenkilometern. Schon der Aufprall eines Trümmerstück von einem Kubikzentimeter Volumen entspricht der Explosionskraft einer Handgranate.

Die grössten Trümmerteile sind ganze Raketenstufen.

Die Schrottteile prallen ihrerseits aufeinander, das gibt noch mehr Trümmer. Und manchmal fährt ein Meteorit dazwischen.

Ein Astronaut liess seine Videokamera im Weltraum liegen, wo sie nun ewig kreist, blind und verloren.



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